Das Recht Fehler zu machen

Selbstzweifel und Schuldgefühle

Ich grüße dich, liebe Reisende und Reisender.

Folgendes kennst du bestimmt. Du machst einen Fehler und in dir steigen direkt unangenehme Gefühle hoch. Vielleicht hast du das Gefühl zu versagen, jemanden zu enttäuschen und ja, genau darum geht es, abgelehnt zu werden. Wieso kannst du nicht einfach mal daneben treten, ohne direkt in Angst vor monströsen Auswirkungen zu verfallen? Monströs ist vielleicht etwas überspitzt dargestellt, aber eine langwierige und aufgeheizte Diskussion z. B. mit dem Partner kann sich schon sehr unangenehm anfühlen.

Natürlich gibt es eben auch Menschen, welche eine sehr geringe Reizschwelle haben und diese nutzen gerne die Gelegenheit, Fehler anderer direkt zu etwas Persönlichem zu machen.

Doch wieso kümmert dich das so?

Klar, niemand wird gerne abgelehnt. Warum sollte man das auch wollen?

Ich war früher sehr unsicher und drohende Ablehnung hat mir schwer zu schaffen gemacht. Es gab sogar eine Zeit in meinem Leben, als ich nahezu täglich mit Angstschweiß auf vieles reagierte.

Ging es mir in der Zeit gut? Ganz und gar nicht! Selbstzweifel waren mein täglicher Begleiter und ich bin mir sicher, jeder, der Selbstzweifel kennt, weiß auch, dass es viel Lebensqualität nimmt.

Sobald jemand ein Wort oder eine Handlung von mir persönlich nahm und mich für dessen Gefühle in die Verantwortung zog, klopfte wieder die Unsicherheit an meine Tür. Es wurde zu einem

Gefühlsautomatismus, dass selbst wenn mein Gegenüber total entspannt war mit der Situation ich Schuldgefühle bekam. Dabei spielte es gar keine Rolle, ob das, was ich sagte oder tat, wirklich in verletzender Absicht war oder nicht. Ich fühlte mich einfach immer verantwortlich für die Befindlichkeiten anderer und glaubte, es läge an mir. Die Macht über die Gefühle der anderen zu haben – daran glaubte ich – und gleichzeitig hatte somit jeder Macht über meine. Wie eine Macht fühlte es sich aber keineswegs an, eher wie eine Ohnmacht. Ich sag dir: „Das war anstrengend!“

Ob ich beim Kochen versehentlich die Suppe versalzen habe, beim Küche putzen einen Fleck übersah, ein gut gemeintes, aber missverstandenes Geschenk überreichte oder einfach etwas verschüttete, umstieß oder nicht genau das tat, was jemand anderes von mir erwartete. Oft gab es jemanden, der sich darüber ärgerte und mich mit seinem Ärger ablehnend konfrontierte. Wenn da keiner war, der mich ablehnen konnte, übernahm ich den Job. Schließlich war es mir ja ein vertrautes Gefühl, dass meine Fehler eine ablehnende Wirkung haben.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Natürlich habe ich viele Fehler in meinem Leben gemacht, die ich auch ganz klar als solche bezeichnen würde. Fehler, bei denen klar war, dass sie Menschen verletzen würden. Die meisten davon entstanden aus einer inneren Bedürftigkeit heraus und ich war oft wie ein Fähnchen im Wind, stets der Bedürfnisbefriedigung hinterherrennend. Ob es Liebe war, Nähe oder einfach simple Bestätigung, es war eine verzweifelte Suche nach etwas, das mir niemand geben konnte, außer ich mir selbst. Bis ich das erkannte, habe ich mir schon einige Fehltritte geleistet. Aber wer tut das nicht? Wer kennt nicht diese Bedürftigkeitshaltung, sodass man sich von anderen abhängig macht? Fakt ist aber, dass diese innere Haltung nur Leid produziert.

Der Weg zur eigenen Selbstständigkeit ist ein Prozess und den durchlaufen wir alle auf die ein oder andere Weise. Wenn jemand Verantwortung für sich selbst übernimmt und somit zu einer stabilen inneren Selbstständigkeit findet, transformiert dieser sich vom Bettler zum Gebenden. Ein Gebender zu sein bedeutet, jemand zu sein, der zwar empfangen kann, aber nichts mehr verlangt. Es ist eine Unabhängigkeit, die nicht mehr an die Meinungen und das Wohlwollen anderer gebunden ist. Nur so ist man auch in der Lage, sein Herz wirklich zu öffnen, echtes Mitgefühl und Liebe für andere zuzulassen. Innerhalb dieses Lebensgefühls sind die eigenen Fehler und die der anderen nichts Dämonisches mehr, sondern Teil des Weges.

Für mich sind Fehler inzwischen etwas, woraus ich lernen kann. Sie regen mich zum Nachdenken an, zu mehr Achtsamkeit und oft einfach nur zum Lachen. Ich habe akzeptiert und beschlossen, dass ich das Recht habe, Fehler zu machen! Wieso? Weil es ein Leben ohne Fehler nicht geben kann. Erlaube ich mir einen groben Schnitzer, dann übernehme ich auch die volle Verantwortung dafür, bitte um Vergebung und versuche es auszugleichen, ohne aber, dass ich mich schuldig fühle. Auch bei kleineren Fehlschlägen habe ich jetzt immer das Recht auf meiner Seite, dass es passieren darf.
Die eigentliche Kunst dabei ist zu akzeptieren, dass ich selbst nichts für die Erwartungen und Gefühle anderer kann. Die innere Überzeugung, Erwartungshaltungen anderer erfüllen zu müssen, macht auf lange Sicht sehr müde. Ich habe nicht festgelegt, was andere erwarten, sich wünschen oder in welchen Situationen sie sich verletzt fühlen. Tatsächlich liegt die Entscheidung bei jedem selbst, welchen Lebensstil und welche Vorstellungen von der Welt jeder wählt und für diese ist jeder selbst verantwortlich. So bin auch ich für all meine Träume, Hoffnungen, Ängste, Erwartungen und Wünsche der allein Verantwortliche.

Wenn heute jemand ablehnend mir gegenüber reagiert, weiß ich, dass es seine persönliche Entscheidung ist, mich gerade abzulehnen, aber nicht wirklich mit mir als Person etwas zu tun hat. Es sagt nichts über mich aus. Den Schmerz im anderen und seine Reaktion zu akzeptieren, ist auf diesem Weg eine unverzichtbare Lernaufgabe. Dies führt bei mir selbst zu einer gewissen inneren Ruhe. In so einer Situation kann ich ganz bei mir bleiben und bin in der Lage, eine helfende Hand zu reichen, eine Umarmung zu schenken, aber manchmal ist es auch wichtig, mein Gegenüber wüten zu lassen und mich aus der Situation zu entfernen. Durch die Gelassenheit habe ich einen viel besseren Zugang zu meinen Gefühlen und kann in solchen Situationen mitfühlender reagieren und mich dadurch besser auf den anderen einstimmen.

Das Anders-Sein akzeptieren

Ich passe bestimmt nicht in jedes Vorstellungsraster jedes Einzelnen da draußen, aber das muss ich auch nicht. Das große Geschenk, hier auf dieser Welt sein zu dürfen, ist eine Aufforderung für mich ganz ich selbst zu sein. Die anderen gibts ja schon. Was hätte die Welt davon, wenn ich mich ihr unterwerfe und so tue, als wäre ich jemand anderes. Dafür bin ich nicht hier und du auch nicht. Wir sind alle wunderbare und liebenswerte Geschöpfe, die einander oft einfach nur missverstehen. Würden wir alle richtig hinschauen, würden wir in jedem erkennen, dass hinter der Fassade ein Wesen ist, welches sich auf der Suche nach Liebe, Zuneigung und Akzeptanz oftmals verirrt.

Zusammenfassend

Dadurch, dass ich heute mein fehlerhaftes Dasein akzeptiere, akzeptiere ich es auch bei anderen.

Wenn du dich wiederfinden kannst in meinen Worten, dann sag ich es dir noch mal in persönlicher Form:

„Du hast das Recht, Fehler zu machen und fehlerhaft zu sein.“

Das entbindet dich nicht davon, Verantwortung dafür zu übernehmen, aber es nimmt dir eben auch keine Wertigkeit mehr, sobald du akzeptierst, dass fehlerhaft zu sein menschlich ist.

Ein paar letzte Worte

Mal so ganz nebenbei – wusstest du, dass du niemals an Wert verloren hast? Du hast auch niemals an Wert dazugewonnen!

Die Vorstellung davon, dass sich persönliche Wertigkeit verändert bzw. verändern kann, ist der eigentliche Irrglaube, der dazu führt, dass wir uns mit Fehlern oder empfundenen Fehltritten schlecht fühlen.

Du und ich, wir waren stets wunderbar und unendlich kostbare Wesen und daran wird sich auch nie etwas ändern.

Hab ruhig Mut zu dir selbst zu stehen, dich so zu zeigen, wie du bist und deine Fehltritte anzunehmen.

Du hast nämlich nicht nur das Recht, Fehler zu machen, es ist auch deine Aufgabe, diese Reise, die sich Leben nennt, ganz auf deine Weise anzutreten und somit die Welt mit dir zu bereichern.

Auf bald meine liebe Seele.

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